Neu und provokativ, vertraut aber nicht in Vergessenheit geraten, bewegte Bilder jüdischer Lebenswelten von Sydney bis New York: So sind die Filme, die im Rahmen des neu gegründeten Jüdischen Filmclubs Wien vorgestellt werden. Er ist eine Initiative von Bella Makagon (Moadon – Club junger jüdischer Erwachsener), Prof. Frank Stern (Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte) und Prof. Klaus Davidowicz (Institut für Judaistik, beide Universität Wien). Zum Auftakt am 16. November wurde der Film „Männer sind auch nur Frauen“ (Frankreich 1998, Regie: Jean-Jacques Zilbermann) gezeigt. Das Wiener Metro Kino war bis zum letzten Platz gefüllt.
Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln. Nur mit Humor lassen sich ernsthafte Familienprobleme, auch wenn sie ungelöst bleiben, entspannt betrachten. So werden Grenzen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft abgebaut. Das ist wohl auch die Botschaft dieses Filmes, einer Liebeskomödie mit etwas anderen Vorzeichen.
Die in der Gegenwart in Paris und New York spielende Geschichte ist einfach und zugleich kompliziert. Sie heißt Rosalie, stammt aus einer chassidischen Familie aus Brooklyn und singt jiddische Lieder in den jüdischen Gemeinden Frankreichs. Er heißt Simon, ist ein virtuoser Pariser Klarinettenspieler und verzaubert Rosalie mit einem wunderbar sensiblen Lied, das bei den Zuschauern nachklingt. Rosalie glaubt, in ihm die große Liebe gefunden zu haben. Doch er ist schwul. Um ihn zu überzeugen, Rosalie zu heiraten, bietet der reiche Bankier Salomon, Simons Onkel, ihm viel Geld und seine Villa an. Auch wenn die gemeinsame Liebe für die jüdische Musik die Zwei zusammenbringt, kann der Konflikt nicht gelöst werden. Liebeskomödie und Familiendrama, ein Film über das eigene Leben der Nachkriegsgeneration und auch über die Hoffnungen der Überlebenden. Damit wurde großartig die Filmsaison 2008-2009 des Jüdischen Filmclubs eröffnet.
Mit der Initiative zur Gründung eines Jüdischen Filmclubs in Wien gehen langwierige Bemühungen von Frank Stern und Klaus Davidowicz nun endlich in Erfüllung. Versuche, geeignete Kooperationspartner für einen Filmclub zu finden, waren zunächst nämlich leider wenig erfolgreich. Doch schließlich ist es gemeinsam mit Moadon und dem Metro Kino des Filmarchivs Austria gelungen, das Vorhaben umzusetzen. Und damit wird nicht nur ein Beitrag zur Wahrung und Stärkung der jüdischen Identität, sondern auch für die Filmkultur der Stadt Wien insgesamt geleistet.
„Wir machen Ausflüge zu jüdischen Sehenswürdigkeiten, organisieren jüdische Events, feiern gemeinsam jüdische Feste, gehen zusammen ins Theater und ins Kino. Der Jüdische Filmclub hat hervorragend in unser Konzept gepasst“ erzählt Bella Makagon, Vorstand von Moadon. Am Institut für Zeitgeschichte und an der Judaistik der Universität Wien gibt es bereits eine langjährige Tradition jüdischer Filmretrospektiven mit Unterstützung der Jüdischen HochschülerInnenschaft. Diese Initiativen sollen nun zusammengeführt und mit dem Jüdischen Filmclub einem wirklich breiten – jüdischen wie nichtjüdischen – Publikum, näher gebracht werden.
Sechs mal pro Jahr gibt es wieder Filme aus aller Welt, die sich mit der jüdischen Kultur und Tradition, mit Geschichte und Religion beschäftigen: Komödien, Dramen, Krimis, Historien- und Dokumentarfilme, die in Österreich überhaupt nicht oder nur kurz in den Kinos oder auf Festivals gezeigt werden. Großes Augenmerk wird dabei auch auf Filme junger RegisseurInnen gelegt. Themen, die die Schoa berühren, religiös-säkulare und jüdisch- nichtjüdische Beziehungen werden auf der Leinwand zu sehen sein. Nach den Filmvorführungen gibt es jedes Mal die Möglichkeit, bei einem Glas Wein, einem Kaffee über den Film zu diskutieren.
Der erste Filmnachmittag war viel versprechend: ein mit Zuschauern bis zum Bersten gefüllter Kinosaal, ein spannender Film und ein kulinarischer Ausklang mit koscherem Buffet von Bernholtz Catering sowie Wein von Hafner. Bei den Sponsoren, insbesondere beim Kooperationspartner Filmarchiv Austria, die den Erfolg des Abends ermöglicht haben, möchten sich die Organisatoren herzlich bedanken.
Gemeinsam Nachdenken und Lachen, neue Freundschaften knüpfen und alte zu erhalten, die jüdische Identität zu bewahren und sie weiter zu entwickeln ist das Ziel des Jüdischen Filmclubs Wien. Organisatoren und Kooperationspartner hoffen im Februar auf einen ähnlichen Ansturm. Es gilt daher, sich rechtzeitig anzumelden:
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/ http://www.juedischer-filmclub.at/