Ein grandioser Film mit Starbesetzung - u.a. Gérard Depardieu
Nach mehreren Experimenten mit den unterschiedlichsten Genren – vom Thriller (Le pacte du silence 2003) bis zur Actionkomödie (Les kindnappeurs, 1998) – ist Regisseur Graham Guit (geboren 1968 in Neuilly-sur-Seine) nun mit „Hello Goodybye“ eine wirklich charmante Kultur-Clash Komödie gelungen. Bereits in „Le pacte du silence“ hatte er erfolgreich mit Gérard Depardieu zusammen gearbeitet, der in „Hello Goodbye“ die vielleicht überraschendste Rolle seiner Karriere spielt.
Depardieu ist Alain Gaash, ein Pariser Jude mit ostjüdischen Wurzeln, der gleich mit zwei Krisen konfrontiert wird: seine jüdische Identität und seine Ehe geraten aus den Fugen. Gaash, ein erfolgreicher Gynäkologe, ist weit von der religiösen Tradition entfernt. Er und seine Frau Gisele (Fanny Ardant), die zum Judentum konvertiert ist, haben auch nichts dagegen, dass ihr Sohn eine Nichtjüdin geheiratet hat – im Gegensatz zu Gaashs Eltern...
REGIE: Graham Guit BUCH: Michael Lellouche KAMERA: Gérard Sterin DARSTELLER: Fanny Ardant, Gérard Depardieu, Jean Benquiqui, Lior Ashkenasi, Sasson Gabai PRODUKTION: Babe Film LÄNGE: 99 Minuten
Nach dem Auszug des Sohnes und die daraus entstandene Leere wollen Alain und Gisele sich selbst in einem Urlaub in Tel Aviv wiederfinden, was auch gelingt. Als sie aber wieder der Alltag in Paris einzuholen droht, planen sie eine für ihr Alter und ihren gesellschaftlichen Status geradezu abenteuerliche Entscheidung. Sie wollen beide nach Israel emigrieren. Und das obwohl Alain nicht einmal beschnitten ist. Mit der verwegenen Idee der Alijah kommt der Film erst richtig in Fahrt… Das chaotische israelische Leben, Sprach- und Integrationsschwierigkeiten purzeln auf die beiden und die Zuschauer in einem Reigen amüsanter aber auch sehr nachdenklich stimmender Szenen herein.
Dem Film gelingt es eminent komplexe Themen wie das Verhältnis Diaspora-Israel auf lockere Art zu diskutieren. Er zeichnet trotz aller Kritik an den israelischen Verhältnissen die Wärme und Aufgeschlossenheit einer sich immer rascher entwickelnden israelischen Gesellschaft mit einem Witz, der an die frühen Kishon-Verfilmungen zuweilen erinnert. Dass dieser leichte Film, der dennoch eine ganze Reihe von tiefen Fragen der jüdischen Gegenwart aufwirft, außerhalb von Frankreich und Israel nicht in die Kinos gekommen ist, ist bedauerlich, denn Depardieu und Ardant spielen hier traumhaft auf und man merkt es fast nicht, dass schon fast 30 Jahre seit Truffauts „La femme d'à côté" vergangen sind…