Robert Guédiguian, ein Filmemacher mit armenisch-deutschen Wurzeln, schrieb und inszenierte dieses außergewöhnliche Résistance-Drama. Der Film lief 2009 zusammen mit Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS im Filmfestival von Cannes an und zeigte im Gegensatz zu Tarantinos Rache-Fantasie die authentische Geschichte armenischer und jüdischer Widerstandskämpfer im besetzten Frankreich. Im Zentrum stehen der armenische Poet und Anführer der Résistance-Gruppe Missak Manouchian und die zwei jüdischen Kämpfer Thomas Elek und Marcel Rayman. Guédiguian knüpft in seiner Bildsprache an große Vorbilder wie Jean-Pierre Melvilles L’ARMÉE DES OMBRES (1969) an, wobei er anders als Melville Gewalt, aber auch die ethnischen Identitäten, viel pointierter zeigt.
THE ARMY OF CRIME ist einer der besten und aufrichtigsten Filme zum Widerstand, fern ab der zahlreichen Komödien und verkitscht-heroischen Überzeichnungen. Unterstützt von jungen hier noch unbekannten Schauspielern zeigt Guédigan den Widerstand gegen die Nazis nicht als Doku-Drama oder Actionfilm, sondern als einen aufregenden menschlichen, oft verzweifelten, Freiheitskampf: „True, we are weak and helpless, but the only answer to the hater is resistance!”(Abba Kovner)
L’heure de la vérité („Die Stunde der Wahrheit“) ist eine filmische Rarität und war seiner Zeit weit voraus, vielleicht zu weit. In Israel von dem französischen Regisseur Henri Calef gedreht, basiert das Drehbuch des Soziologen Edgar Morin auf einer wahren Begegebenheit. Trotz der prominenten Besetzung mit Karlheinz Böhm und Daniel Gelin wurde der Film nicht in den österreichischen Kinos gezeigt, lief in Frankreich im April 1965 nur in einem Pariser Kino und für kurze Zeit in Israel.
Wenige Jahre nach „Sissi“ spielt Karl-Heinz Böhm den Nazi Wernert, der die Identität von Jonathan Straus annimmt, eines seiner Opfer. Der NS-Täter baut sich in Israel eine neue Existenz auf. Der Eichmann-Prozess warf seine langen Schatten auf die Entstehung des Films, der zum ersten Mal im französischen Filmschaffen sich offen mit der Shoah beschäftigte. Er setzt die Brennpunkte seiner Zeit ins Zentrum, wie die Nazis „unter uns“ und die Konfrontation zwischen den Opfern der Shoah und der israelischen Gesellschaft. Er zeigt aber auch durch die Person des Historikers Fred wie unterschiedlich Geschichtsschreibung und Zeitzeugen dasselbe Geschehen betrachten können: Fred: „Sie tragen in sich die Wahrheit, Monsieur Strauss. Und der Historiker sucht die Wahrheit mit Hilfe des Menschen.“ Jonathan: „Und der Polizist sucht mit Hilfe der Wahrheit den Menschen.“ Ein spannendes Drama mit großartigen Schauspielern, das in grellen schwarz-weiss Bildern das Israel der 60er Jahre und die unmittelbare Zeit der Post-Shoah so lebendig wie nie vor uns entstehen läßt.