L’heure de la vérité („Die Stunde der Wahrheit“) ist eine filmische Rarität und war seiner Zeit weit voraus, vielleicht zu weit. In Israel von dem französischen Regisseur Henri Calef gedreht, basiert das Drehbuch des Soziologen Edgar Morin auf einer wahren Begegebenheit. Trotz der prominenten Besetzung mit Karlheinz Böhm und Daniel Gelin wurde der Film nicht in den österreichischen Kinos gezeigt, lief in Frankreich im April 1965 nur in einem Pariser Kino und für kurze Zeit in Israel.
Wenige Jahre nach „Sissi“ spielt Karl-Heinz Böhm den Nazi Wernert, der die Identität von Jonathan Straus annimmt, eines seiner Opfer. Der NS-Täter baut sich in Israel eine neue Existenz auf. Der Eichmann-Prozess warf seine langen Schatten auf die Entstehung des Films, der zum ersten Mal im französischen Filmschaffen sich offen mit der Shoah beschäftigte. Er setzt die Brennpunkte seiner Zeit ins Zentrum, wie die Nazis „unter uns“ und die Konfrontation zwischen den Opfern der Shoah und der israelischen Gesellschaft. Er zeigt aber auch durch die Person des Historikers Fred wie unterschiedlich Geschichtsschreibung und Zeitzeugen dasselbe Geschehen betrachten können: Fred: „Sie tragen in sich die Wahrheit, Monsieur Strauss. Und der Historiker sucht die Wahrheit mit Hilfe des Menschen.“ Jonathan: „Und der Polizist sucht mit Hilfe der Wahrheit den Menschen.“ Ein spannendes Drama mit großartigen Schauspielern, das in grellen schwarz-weiss Bildern das Israel der 60er Jahre und die unmittelbare Zeit der Post-Shoah so lebendig wie nie vor uns entstehen läßt.
JFC Wien – in Kooperation mit dem Filmhaus Kino am Spittelberg – präsentieren:
Mit Einführung und Diskussion.
Eine jüdische und manchmal nicht ganz so jüdische Familie in Frankreich heute, es könnte aber auch Wien, New York, London oder Tel-Aviv sein. Mélanie Laurent (noch in Erinnerung als jüdische Widerstandkämpferin in INGLORIOUS BASTERDS oder als Krankenschwester in DIE KINDER VON PARIS) spielt die 27jährige schräg-exzentrische immer wieder neu verliebte Justine, die stets Probleme mit ihrem Vater (gespielt von dem französischen Filmstar Michel Blanc) hat, der, um über diese Probleme hinaus die Vater – Tochter Beziehung am Leben zu erhalten sich mit der wachsenden Schar ihrer „Exen“ umgibt. Außerdem ist seine zweite junge Frau gerade schwanger, und Justines Schwester hat nicht nur Probleme mit der schwangeren Schwiegermutter. Aber das ist nur eine weitere Komplikation, denn eigentlich geht es um Väter, Töchter, Schwestern, Ehepartner, Babies und um Herzflimmern, Herzschwäche und die Kunst.
Ein Drama, eine Komödie? Im Filmhaus am Spittelberg werden alle darüber mehr erfahren.